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Im Wissens-Dschungel

In den kommenden Wochen und Monate fallen bei der Standortsuche nach einer Lagerstätte für radioaktive Abfälle in der Schweiz richtungsweisende Vorentscheide. Insbesondere der auf Anfang 2015 erwartete 2x2-Vorschlag der Nagra, der eine Einengung von bisher sechs Standortregionen auf mindestens zwei Oberflächen-Standortvorschläge je Abfallkategorie bringen soll, wird mit Spannung erwartet. Damit sollen einzelne heute noch im Fokus stehende Regionen «zurückgestellt» und vorerst nicht mehr vertieft geprüft werden. Falls der Bundesrat dem Vorschlag Nagra folgen sollte, werden sie damit faktisch aus dem Prozess entlassen. Der Fachgruppe Sicherheit wird in der Regionalkonferenz Südranden die Aufgabe zufallen, die Nachvollziehbarkeit des Vorschlages zu beurteilen.

Mit Blick auf diese anspruchsvolle Aufgabe führte die Gruppe einen Workshop durch mit dem geradezu programmatisch komplexen Titel «Positionierung der Fachgruppe im Wissens-Dschungel transdisziplinärer Sicherheitsthemen der nuklearen Entsorgung». Ihre Abteilung befasst sich mit Denkansätzen, um vielschichtige Probleme an den Schnittstellen zwischen Wissenschaft und Gesellschaft zu lösen. Die Standortsuche für ein Endlager zeigt aus ihrer Sicht beispielhaft, wie schwierig es ist, über die Wissenschaft hinaus die Bevölkerung zu erreichen.

Ein Knackpunkt bei der Endlagersuche sind die unterschiedlichen Rollen und Funktionen. Während das Bundesamt für Energie (BFE) über demokratische Legitimation und Macht verfügt, haben die Regionalkonferenzen mit ihren Vertretungen von gesellschaftlichen Gruppierungen die Aufgabe, die Menschen in den Regionen einzubeziehen. «Im Falle der Tiefenlagersuche wurde den Regionalkonferenzen eine Rolle zugewiesen, statt diese selbst mitdefinieren zu lassen», bemängelte Pius Krütli. «Man muss immer kritisch hinterfragen, ob man ernst genommen wird», erklärte Michael Stauffacher. «Die kritischen Fragen aus den Regionen haben die Nagra bisher nicht nur herausgefordert, sondern auch etwas bewegt.»

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Lästige Worst-Case-Fragen

In vier Arbeitsgruppen trugen die Fachgruppenmitglieder schliesslich ihre bisherigen Erfahrungen zusammen und formulierten ihre Erwartungen an künftige Entwicklungen. Im Rückblick gaben neben positiven Erlebnisse insbesondere die negativen Eindrücke zu reden. Anlässe, an denen die Teilnehmenden mit verharmlosenden Vergleichen nicht ernst genommen wurden oder wiedersprechende Thesen präsentiert bekamen, deren Gehalt von Laien kaum zu beurteilen sind. Dazu erscheinen unangenehme Worst-Case-Fragen Nagra und Ensi eher lästig. «Die Risiken werden klein geredet, gleichzeitig werden Jod-Tabletten verschickt», beklagte eine Teilnehmerin. «Oft werden komplexe Vorgänge in ausufernden Vorträgen erklärt oder bis zur Unkenntlichkeit verkürzt», lautete eine andere Kritik. Am Ende stand die Forderung nach Behörden, die künftig authentischer agieren und offene und ehrliche Antworten liefern.

Rege diskutiert wurde in den Gruppen auch die Herausforderung, die mit der Prüfung der Nachvollziehbarkeit des 2x2-Vorschlags ansteht. Grundvoraussetzung für diese Plausibilitätsprüfung sei das Bemühen der Verfasser um Verständlichkeit. Zudem müsse der Fachgruppe der Beizug von unabhängigen Experten zugestanden werden. Dazu dürfe der Zeithorizont nicht zu eng gesteckt sein. Die Milizgremien dürften nicht unter einen zu hohen Zeitdruck gesetzt werden.

Eva Neumann, Fachgruppenleiterin Sicherheit, zog am Ende ein positives Resümee: Während in der Regel die Informationen an das Gremium herangetragen werden, habe der Workshop für einmal die Fachgruppe und ihre Arbeit in den Mittelpunkt gestanden. Beeindruckt sei sie, wie schnell man sich über die Arbeitsgruppen hinaus einig war. «Wir haben mehr Gemeinsamkeiten als uns bewusst ist», sagte sie und Othmar Schwank beurteilte den Abend als ein gutes Mittel, um den Fokus auf die kommende Aufgabe zu richten. Wenn anfangs 2015 das Resultat des 2x2-Vorschlags vorliegt, muss sich zeigen, wie die Gruppe diese Herausforderung anpacken wird.

News

Die Leitungsgruppe

Die Regionalkonferenz Südranden zählte 2015 beinahe 100 Mitglieder aus den Kantonen Schaffhausen, Zürich und Thurgau sowie den deutschen Grenzgemeinden.

Alle 42 Gemeinden im Planungsperimeter konnten eine/n Delegierte/n stellen. Zudem engagierten sich Mitglieder von Organisationen aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft sowie Einzelpersonen an der Regionalkonferenz.

Die Delegierten

Das Leitungsgruppe der Regionalkonferenz Südranden wurde erstmals an der Gründungsversammlung am 5. November 2011 von den Delegierten der Vollversammlung gewählt.

Nach der Rückstellung der Region Südranden durch die Nagra wurde die Regionalkonferenz und die Leitungsgruppe im Herbst 2015 aufgelöst.

Als Ansprechperson bleibt der Präsident der Regionalkonferenz, Dr. Stephan Rawyler, für Fragen erreichbar.